Al-Shabaab ist seit mehr als zwei Jahrzehnten in Somalia aktiv und hat in der Vergangenheit wiederholt Anschläge und Angriffe in Kenia durchgeführt. Kenianische Spezialeinheiten sind seit 2011 entlang der Grenze und zeitweise auch innerhalb Somalias am Kampf gegen die Miliz beteiligt.
Zwischen 2022 und Ende 2023 gelang es der somalischen Armee mit Unterstützung ugandischer und burundischer Peacekeeping-Einheiten unter einem Mandat der Afrikanischen Union, Al-Shabaab aus Teilen Zentral-Somalias zurückzudrängen. Seit 2025 befindet sich die Miliz jedoch wieder auf dem Vormarsch. Dabei habe sie ihre früheren Gebiete weitgehend zurückerobert und greife zunehmend auch jenseits der somalischen Grenze an.
Als einen wesentlichen Faktor für das erneute Erstarken der Miliz ist die politische Krise in Somalia. Die politische Führung in Mogadischu sei seit Beginn des Jahres mit einem innerpolitischen Konflikt beschäftigt. Die Amtszeit von Präsident Hassan Sheikh Mohamud sei offiziell im Mai ausgelaufen; Neuwahlen würden unter Verweis auf notwendige Verfassungs- und Wahlrechtsreformen verschoben. Im Juni sei es in Mogadischu zudem zu Kämpfen zwischen Regierungstruppen und bewaffneten Milizen gekommen. Al-Shabaab nutze diese politische Krise, um ihre Position erneut zu stärken.
Auch die Beziehungen zwischen den Regionen und der Zentralregierung haben sich dem Material zufolge verschärft. Somaliland sowie Puntland hätten sich vor dem Hintergrund der Verfassungskrise weiter von der Zentralregierung in Mogadischu gelöst.
Eine zusätzliche Dimension stellt die beschriebene Kooperation zwischen Al-Shabaab und der Huthi-Miliz im Jemen dar. Beide Akteure seien zunehmend im Umfeld des Roten Meeres und des Golfs von Aden aktiv. Nach Angaben von Ermittlern der Vereinten Nationen habe die Huthi-Miliz Al-Shabaab-Kämpfern im vergangenen Jahr den Umgang mit Kamikazedrohnen vermittelt sowie Waffen und Munition verkauft.
Die mögliche Zusammenarbeit zwischen Al-Shabaab und den Huthi ist die strategische Bedeutung des Roten Meeres und des Golfs von Aden. Ein im Februar 2026 veröffentlichter Bericht des Forschungsinstituts Saldhig aus Mogadischu kommt demnach zu dem Schluss, dass eine solche strategische Partnerschaft den Welthandel über das Rote Meer weiter beeinträchtigen könnte.
Parallel steht die Zukunft der Afrikanischen Unterstützungs- und Stabilisierungsmission AUSSOM in Somalia infrage. Politische und militärische Akteure beraten hierzu in Kampala über eine mögliche Fortführung der Mission. Uganda und Burundi stellen seit Jahren Truppen für die AU-Mission.
AUSSOM steht zugleich vor erheblichen Finanzierungsproblemen. Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump habe angekündigt, die Mission künftig nicht weiter finanziell zu unterstützen. Die Mission wird nach den vorliegenden Angaben bei ihrer Logistik zu einem großen Teil durch die Vereinten Nationen unterstützt und muss im Dezember erneut vom UN-Sicherheitsrat beschlossen werden. Die USA hätten angekündigt, einer Verlängerung nicht zuzustimmen. Damit stellt sich die Frage nach einer möglichen vollständigen Finanzierung durch die Afrikanische Union. Ugandas Generalstabschef Muhoozi Kainerugaba erklärte in Kampala, die Zukunft der Mission hänge „von der Qualität der Entscheidungen ab, die wir in solchen Momenten treffen“.