Mit seinem Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft hat Portugal nach Jahrzehnten der Isolation 1986 den Anschluss an Europa gefunden. Das kleine Land im äußersten Südwesten Europas, das etwa ein Sechstel der Iberischen Halbinsel umfasst, war im 15. und 16. Jahrhundert eine bedeutende Seefahrer- und Handelsnation, die zahlreiche Kolonien in Übersee besaß. Im 20. Jahrhundert erlebte Portugal mehrere Putsche und Revolutionen. Mit der Nelkenrevolution befreite es sich 1974 von der über 40 Jahre währenden Salazar-Diktatur und erlebte die Entwicklung eines liberalen Gesellschaftssystems.
Im 4. Quartal 2024 wuchs die Wirtschaft im Vergleich zum Vorjahr um 2,7 %, das stärkste Wachstum seit sechs Quartalen. Insgesamt belief sich das Wachstum des BIP 2024 auf 1,9 % nach 2,6 % im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote verharrte 2024 auf dem Vorjahreswert von 6,5 %. Die Gesamtinflation ging auf 2,7 % zurück, nach 5,3 % im Jahr 2023, was auf eine Verbilligung nahezu aller Komponenten des Verbraucherpreisindex zurückzuführen war. Nachdem Portugal 2023 mit 1,2 % den höchsten Haushaltsüberschuss seit der Rückkehr des Landes zur Demokratie vor 50 Jahren verbucht hatte, wird für 2024 ein Überschuss von nur noch 0,7 % des BIP berechnet bei einer weiterhin sinkenden öffentlichen Schuldenquote auf 94,9 %.
Haushalt
Ende November 2024 billigte das Parlament den von der Mitte-Rechts-Minderheitsregierung unter Ministerpräsident Luís Montenegro vorgelegten Haushalt. Der Haushalt sah u. a. die Befreiung von jungen Arbeitnehmern von der Einkommensteuer, eine Senkung der Körperschaftsteuer für Unternehmen sowie Lohn- und Rentenerhöhungen vor. Die rechtsextreme Chega lehnte den Haushalt ab.
Regierungskrise
Trotz der auch 2025 weiterhin guten wirtschaftlichen Entwicklung Portugals stand die Minderheitsregierung nach nicht einmal einem Jahr im Amt bereits wieder vor dem Aus, als sie Mitte März über eine von Montenegro selbst ins Parlament eingebrachte Vertrauensabstimmung mit 88 zu 142 Stimmen stürzte. Die Opposition hatte Montenegro vorgeworfen, dass eine von ihm 2021 gegründete Beratungs- und Immobilienfirma wirtschaftlich von seiner Wahl zum Ministerpräsidenten profitiert habe. Montenegro wies alle Vorwürfe zurück. Er überstand im Zuge der Affäre zwei Misstrauensvoten. Die Opposition bestand dennoch auf einer Untersuchungskommission, weshalb Montenegro schließlich die Vertrauensfrage stellte. Staatschef Marcelo Rebelo de Sousa löste umgehend das Parlament auf und beraumte Neuwahlen für den 18.05.2025 an.
Neuwahlen
Aus den dritten vorgezogenen Parlamentswahlen seit Anfang 2022 ging die regierende „Aliança Democrática“ (AD) von Ministerpräsident Luís Montenegro mit Stimmenzuwächsen von 3,9 Prozentpunkten und einem Endergebnis von 32,7 % als Sieger hervor, verfehlte aber deutlich die absolute Mehrheit. Die Sozialisten wurden mit 23,4 % (-4,6) zweitstärkste Kraft vor der rechtsradikalen Chega mit 22,6 % (+4,5). Bereits am 05.06.2025 legte Montenegro eine Kabinettsliste für eine neue Minderheitsregierung vor, die der Ministerpräsident im Wesentlichen unverändert ließ. Ein Bündnis mit der Chega hatte Montenegro zuvor eine klare Absage erteilt. Mit den Sozialisten hingegen wird eine punktuelle Zusammenarbeit erwartet.
Migration
Im Juni 2024, und damit kurz vor der Europawahl, veränderte die Regierung die Einwanderungsbedingungen für illegal eingereiste Nicht-EU-Arbeitsmigranten. Bis dahin war es für Arbeitsmigranten möglich, nach Portugal einzureisen und erst nachträglich eine Aufenthaltserlaubnis zu beantragen. Bei der Einwanderungsbehörde AIMA hatten sich zuletzt rund 400.000 solcher nachträglichen Legalisierungsanträge aufgestaut, obwohl die betreffenden Migranten Arbeit hatten und Steuern und Sozialabgaben zahlten. Seit Juni 2024 müssen Arbeitsmigranten ihre Aufenthaltserlaubnis in einer portugiesischen Vertretung im Ausland beantragen. Arbeitgebervertreter wiesen darauf hin, dass das neue Verfahren nicht praktikabel sei, weil Portugal in vielen Herkunftsländern wie Bangladesch oder Nepal weder Konsulate noch Botschaften betreibe. Portugals Wirtschaft ist von Arbeitsmigranten extrem abhängig. Rechtsextreme wie die Partei Chega machten gleichwohl Stimmung gegen Migranten.
Neues Bodengesetz
Zu Beginn des Jahres 2025 löste ein im Februar vom Parlament beschlossenes neues Bodengesetz öffentliche Kontroversen aus. Um dem wachsenden Bedarf von bezahlbarem Wohnraum zu entsprechen, können Gemeinden künftig ländliche Gebiete einschließlich landwirtschaftlicher Flächen für öffentlichen Wohnungsbau zu erschwinglichen Preisen in städtisches Land umwandeln. Linke Parteien befürchteten eine Zunahme von Immobilienspekulationen, Umweltschutzorganisationen betonten die Wichtigkeit landwirtschaftlicher Böden für den Schutz der Biodiversität.