RUMÄNIEN


Die terroristische Bedrohungslage in Rumänien wird insgesamt als niedrig eingeschätzt. Das Land ist bislang nicht als Primärziel internationaler Terrororganisationen in Erscheinung getreten. Historisch wurden keine vollendeten Anschläge mit hoher Opferzahl registriert. Sicherheitskennzahlen und die Einschätzung des rumänischen Inlandsnachrichtendienstes (SRI) weisen auf ein grundsätzlich stabiles Umfeld hin.

Terrorismus wird überwiegend als potenzielle Gefahr betrachtet, die durch externe Konflikte und transnationale Entwicklungen vermittelt wird, nicht als dauerhaft im Inland manifestes Phänomen. Einzelereignisse mit politischem oder ideologischem Hintergrund, wie der Vorfall 2022, als ein Einzeltäter mit einem mit Brandmaterial beladenen Fahrzeug gegen das Tor der russischen Botschaft in Bukarest fuhr und sich anschließend selbst anzündete, wurden von den Behörden nicht als Terrorismus eingestuft, sondern als suizidale Tat mit persönlicher Problemlage. Dies verdeutlicht die strikte Abgrenzung zwischen politischer Protestgewalt, Einzeldelikten und terroristischen Straftaten.

Rumänien verfügt über keine historisch gewachsene, aktive heimische Terrororganisation. Bekannte internationale jihadistische Gruppen, wie der sogenannte „Islamische Staat“ oder Al Qaida, unterhalten nach öffentlich zugänglichen Quellen keine dauerhafte operative Infrastruktur im Land. Das Bedrohungspotenzial speist sich primär aus europäischen Entwicklungen, insbesondere jihadistischen und rechtsextrem motivierten Anschlägen in anderen Staaten, sowie aus der Möglichkeit, dass Rumänien als Transit- oder Unterstützungsraum genutzt wird. Sicherheitsbehörden weisen zudem auf indirekte Auswirkungen globaler Konfliktdynamiken, beispielsweise im Nahen Osten oder in der Schwarzmeerregion, hin, die über Flüchtlingsbewegungen, Informationsräume und transnationale Netzwerke auf das nationale Sicherheitsumfeld ausstrahlen können.

Spezifische Risiken konzentrieren sich auf urbane Zentren wie Bukarest, Cluj-Napoca, Timișoara, Iași und Constanța, in denen politische Institutionen, ausländische Botschaften, internationale Unternehmen, Verkehrsknotenpunkte und größere Menschenansammlungen lokalisiert sind. Potenzielle Anschlagsarten orientieren sich an europäischen Mustern: niedrigschwellige Angriffe durch Einzeltäter oder Kleinstgruppen, wie Messer- oder Schusswaffenattacken, Brandanschläge, einfache Sprengsätze oder Fahrzeugangriffe. Besonders relevant sind symbolträchtige Objekte, darunter diplomatische Vertretungen, Einrichtungen internationaler Organisationen, religiöse Stätten, Orte politischer Versammlungen sowie kritische Infrastruktur im Energie- und Transportbereich.

Zwischen städtischen und ländlichen Gebieten bestehen deutliche Unterschiede im Risikoprofil. In Metropolregionen ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass potenzielle Täter unauffällig agieren, Zielaufklärung betreiben und Materialien beschaffen können. Gleichzeitig ist die Präsenz spezialisierter Polizeieinheiten und Nachrichtendienste dichter. Ländliche Regionen bieten geringere Zielattraktivität, können aber als Rückzugs- oder Logistikräume dienen, etwa für die Lagerung illegaler Waffen oder Sprengstoff. Das wahrscheinlichste Szenario bleibt ein opportunistischer Angriff auf ein weiches Ziel in städtischen Zentren, während komplexe, koordinierte Mehrfachanschläge als eher unwahrscheinlich gelten.

In Bezug auf Rückkehrer oder radikalisierte Personen ist Rumänien Teil der europäischen Problematik um sogenannte „foreign fighters“. Seit 2012 sind schätzungsweise 5.000 bis 5.500 Personen aus Westeuropa in Konfliktgebiete wie Syrien oder Irak ausgereist; etwa ein Drittel ist zurückgekehrt. Für Rumänien liegen öffentlich nur begrenzte Zahlen vor. Die nationale Bedrohungseinschätzung berücksichtigt das Risiko, dass rumänische Staatsangehörige oder in Rumänien lebende Personen in Konfliktgebieten radikalisiert werden und nach Rückkehr über operative Erfahrung und Netzwerke verfügen. Lokale Radikalisierung, sowohl islamistisch als auch rechtsextrem, sowie hybride Bedrohungen durch Desinformation, Online-Propaganda und Verschwörungserzählungen werden ebenfalls beobachtet.

Die rumänische Sicherheitsarchitektur ist institutionell klar strukturiert, wobei der Rumänische Nachrichtendienst (Serviciul Român de Informații, SRI) die zentrale nationale Zuständigkeit für Prävention und Bekämpfung des Terrorismus innehat. Der SRI koordiniert das Nationale System zur Verhinderung und Bekämpfung des Terrorismus (SNPCT), das verschiedene Behörden und Institutionen bündelt. Aufgaben des Systems umfassen nachrichtendienstliche Aufklärung, Risikoanalyse, operative Intervention und die Zusammenarbeit mit internationalen Partnern.

Die Counter Terrorism Brigade (BAT) ist als spezialisierte Einheit für präventive und operative Maßnahmen zuständig. Dies umfasst diplomatischen Objektschutz, Luftsicherheitskontrollen an allen 16 zivilen Flughäfen, pyrotechnische Einsätze sowie bewaffnete Gegenmaßnahmen im Ernstfall. Die Einheit verfügt über eigene Ausbildungsstrukturen zur Steigerung der Interventionsfähigkeit.

Das gesetzliche Anti-Terror-Regime orientiert sich an internationalen und europäischen Normen. Es umfasst Straftatbestände wie Mitgliedschaft in terroristischen Organisationen, Rekrutierung, Finanzierung, Ausbildung sowie Teilnahme an bewaffneten Konflikten im Ausland. Die Gesetzgebung erlaubt frühzeitige Ermittlungsmaßnahmen.
Die Polizeipräsenz ist insbesondere in Großstädten, an kritischen Infrastrukturen und bei Großveranstaltungen verstärkt. Polizei und SRI arbeiten eng zusammen, tauschen Informationen zu potenziellen Bedrohungen aus und entwickeln gemeinsame Einsatzkonzepte. Grenzkontrollen erfolgen im Rahmen des EU- und Schengen-Regimes. Rumänien übernimmt als Außengrenzstaat entlang der Schwarzmeer- und Donauregion besondere Aufgaben bei der Beobachtung grenzüberschreitender Bewegungen, potenzieller extremistischer Reisen und illegaler Waffenströme, einschließlich verstärkter Überwachung, punktueller Kontrollen und Informationsaustausch mit Partnerdiensten.

International ist Rumänien in EU- und NATO-Strukturen sowie über bilaterale Abkommen eingebunden. Der SRI kooperiert mit ausländischen Nachrichtendiensten zur frühzeitigen Erkennung von Gefährdern, zur Überwachung transnationaler Netzwerke und zur Prävention importierter terroristischer Bedrohungen. Europäische Leitlinien zu Rückkehrern, Radikalisierungsprävention und Schutz kritischer Infrastruktur werden in nationale Strategien integriert und in Übungen umgesetzt.

Die Notfallvorsorge erfolgt über ein mehrstufiges Krisenmanagementsystem, das terroristische Anschlagslagen als Teil „multi risk“-Szenarien behandelt. Medizinische Kapazitäten in Städten wie Bukarest sind auf die Versorgung von Massenverletzten ausgerichtet, während regionale Kliniken und Rettungsdienste über abgestufte Alarm- und Verlegepläne eingebunden werden. Evakuierungs- und Interventionskonzepte werden regelmäßig gemeinsam mit Polizei, Nachrichtendienst, Feuerwehr und medizinischen Diensten überprüft und geübt.

Mit dem Schengen-Beitritt am 1. Januar 2025 wurden Binnengrenzkontrollen aufgehoben, die Überwachung der Außengrenzen jedoch verstärkt. Die Anti-Terror-Gesetzgebung gewährt dem SRI und der Spezialeinheit der Gendarmerie (Brigada Specială de Intervenție) weitreichende Befugnisse zur präventiven Überwachung und schnellen Intervention. Rumänien gilt international als verlässlicher Partner und arbeitet eng mit Europol sowie dem Intelligence College in Europe zusammen, um grenzüberschreitende Bedrohungen frühzeitig zu erkennen.

Das Departement für Notsituationen (DSU) koordiniert die Notfallvorsorge zentral. Das Warnsystem „RO-ALERT“ ermöglicht die sekundenschnelle Benachrichtigung der Bevölkerung bei unmittelbaren Gefahren. Medizinische Kapazitäten in städtischen Traumazentren, insbesondere in Bukarest, wurden modernisiert. Krisenmanagementübungen simulieren terroristische Szenarien und hybride Bedrohungen, einschließlich Cyberangriffe auf kritische Infrastrukturen. Evakuierungspläne für öffentliche Orte und Verkehrsmittel sind standardisiert.

Insgesamt zeigt sich für Rumänien 2026 ein Sicherheitsbild mit niedriger objektiver Vorfallsrate. Das Land ist bislang von schweren Terroranschlägen verschont geblieben. Risiken bestehen vor allem durch transnationale Konflikte, mögliche Rückkehrer, ideologische Radikalisierung und Einzeltäterangriffe. Die Kombination aus zentralisiertem nachrichtendienstlichem Lead, spezialisierten Interventionskräften, internationaler Einbindung und begrenzter Zielattraktivität hält das Terrorismusrisiko auf einem kontrollierbaren Niveau, erfordert jedoch anhaltende Wachsamkeit gegenüber importierten Gefahren, digitalen Radikalisierungsprozessen und hybriden Bedrohungen.

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Der „Islamische Staat“ mag militärisch besiegt sein, doch in Nordsyrien bereitet er seine nächste Generation vor. Al-Hol, das größte Internierungslager der Region, ist zu einem strategischen Rückzugsraum und Rekrutierungszentrum geworden. Zehntausende Anhänger und ihre Kinder leben hier unter Bedingungen, die die Kontrolle der kurdischen Sicherheitskräfte überfordern. Frauen übernehmen zentrale Rollen in der ideologischen Weitergabe, Kinder werden systematisch indoktriniert, und IS-Strukturen bestimmen das soziale Leben im Lager.