Bosnien und Herzegowina

Die terroristische Bedrohungslage in Bosnien-Herzegowina wird in der Gesamtschau unterschiedlich, jedoch überwiegend im Bereich niedrig bis moderat, teilweise auch als erhöht beschrieben. Das Land ist kein primärer Operationsraum international agierender Terrororganisationen und weist keine dauerhaft stationierten, großflächig operierenden terroristischen Strukturen auf. Gleichzeitig zeigen historische und aktuelle Vorfälle, dass terroristische Gewalt episodisch auftritt und vor allem durch Einzeltäter oder kleine Zellen geprägt ist. Seit dem Ende des Bosnienkrieges kam es zu vereinzelten Anschlägen mit extremistischer Motivation, darunter Angriffe auf Polizeistationen, staatliche Einrichtungen und diplomatische Ziele. Diese Vorfälle führten nicht zur Etablierung stabiler terroristischer Netzwerke, verdeutlichen jedoch ein fortbestehendes Risikopotenzial.

Historisch ist die Sicherheitslage durch den Krieg von 1992–1995 geprägt, in dessen Verlauf ausländische Mudschaheddin jihadistische Strukturen etablierten, die in sicherheitsanalytischen Bewertungen als ideologische und personelle Keimzelle späterer salafistisch-jihadistischer Milieus gelten. In den 2010er-Jahren kam es zu mehreren sicherheitsrelevanten Anschlägen, darunter Schusswaffenangriffe auf Polizeikräfte (Bugojno 2010, Zvornik 2015) sowie ein Angriff auf die US-Botschaft in Sarajevo (2011). Auch jüngere Ereignisse, wie der Messerangriff auf eine Polizeistation in Bosanska Krupa Anfang 2025, wurden als terroristisch motiviert eingestuft und unterstreichen eine anhaltende Verwundbarkeit insbesondere staatlicher Sicherheitsstrukturen. Parallel existieren internationale Einschätzungen, die Terrorismus derzeit nicht als dominantes Sicherheitsproblem einstufen, jedoch fortgesetzte Wachsamkeit fordern.
Im regionalen und europäischen Kontext ist Bosnien-Herzegowina Teil eines erweiterten Sicherheitsraums, in dem jihadistische, rechtsextreme und ethnonationalistische Ideologien grenzüberschreitend wirken. Transnationale Bedrohungen ergeben sich weniger aus einer starken inländischen Organisationsstruktur als aus externer Einflussnahme, Online-Propaganda, regionaler Vernetzung und Mobilitätsbewegungen. Internationale Reisehinweise weisen darauf hin, dass wahllose Angriffe auf öffentliche Orte, staatliche Einrichtungen oder touristische Ziele nicht ausgeschlossen werden können, auch wenn die operative Aktivität begrenzt bleibt.

Spezifische Risiken konzentrieren sich vor allem auf urbane Zentren wie Sarajevo, Mostar, Banja Luka, Tuzla sowie den Brčko-Distrikt. Dort befinden sich Regierungsgebäude, Polizeistationen, religiöse Einrichtungen, Verkehrsknotenpunkte, touristische Attraktionen, Märkte, Hotels und diplomatische Einrichtungen. Diese gelten als sogenannte weiche oder symbolträchtige Ziele mit erhöhter Personenfrequenz. Potenzielle Anschlagsarten entsprechen niedrigschwelligen Mustern: Schusswaffen- und Messerangriffe, improvisierte Sprengsätze oder Fahrzeugangriffe, überwiegend ausgeführt durch Einzeltäter oder kleine Zellen mit begrenzter logistischer Komplexität. Koordinierte, groß angelegte Mehrfachanschläge werden im bosnischen Kontext überwiegend als unwahrscheinlich beschrieben.

Ländliche und periphere Regionen weisen eine geringere Zielattraktivität für symbolische Anschläge auf, spielen jedoch in sicherheitsrelevanten Bewertungen eine andere Rolle. Unkontrollierte Grenzabschnitte, begrenzte staatliche Präsenz, isolierte Gemeinden sowie Altlasten des Krieges – insbesondere nicht geräumte Minenfelder – prägen dort das Risikoprofil. Einzelne Orte wurden in der Vergangenheit als Rückzugs-, Rekrutierungs- oder ideologische Rückzugsräume radikalisierter Akteure identifiziert, ohne dass sich daraus flächendeckende terroristische Strukturen entwickelt hätten.

Im Bereich Rückkehrer und Radikalisierung gilt Bosnien-Herzegowina als Teil der europäischen Problematik sogenannter „Foreign Fighters“. Schätzungen zufolge reisten rund 300 Staatsangehörige nach Syrien und in den Irak aus, überwiegend mit Bezug zu jihadistischen Gruppierungen. Ein Teil dieser Personen, darunter auch Frauen und Kinder, ist zurückgekehrt. Viele Rückkehrer unterliegen strafrechtlichen Verfahren oder Überwachungsmaßnahmen, wobei vergleichsweise milde Strafen dokumentiert sind. Neben Rückkehrern wird auch auf das Risiko lokaler Radikalisierung hingewiesen, insbesondere durch Prediger, persönliche Netzwerke und digitale Propaganda. Sicherheitsanalysen betonen, dass sogenannte „homegrown“ Einzeltäter in einigen Fällen als größere Herausforderung wahrgenommen werden als organisierte Rückkehrergruppen.

Die Maßnahmen der Regierung und Sicherheitskräfte in Bosnien-Herzegowina beruhen auf einem rechtlichen und institutionellen Rahmen, der an internationale und europäische Standards angepasst ist. Zentrale Grundlage bildet eine nationale Anti-Terror-Strategie aus dem Jahr 2015, die inzwischen aktualisiert wurde und die Bereiche Prävention, Grenzsicherung, Strafverfolgung und internationale Kooperation umfasst. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Bekämpfung des Phänomens ausländischer terroristischer Kämpfer (Foreign Terrorist Fighters, FTF) sowie auf der Unterbindung von Rekrutierung, Ausbildung, Finanzierung und organisatorischer Unterstützung terroristischer Aktivitäten.
Terroristische Straftaten, die Gründung terroristischer Vereinigungen, Rekrutierung, Ausbildung sowie Terrorismusfinanzierung sind gesetzlich erfasst. Die Umsetzung erfolgt durch ein Zusammenspiel staatlicher und entitätsbezogener Sicherheitsstrukturen. Zentrale operative Akteure sind unter anderem das Staatskriminalamt SIPA sowie die Grenzpolizei. Diese verfügen über technische und organisatorische Kapazitäten wie biometrische Erfassungssysteme, mobile Kommandozentren und spezialisierte Trainingsprogramme, darunter auch internationale EXBS-Schulungen zur Grenz- und Exportkontrolle.

Die Polizeipräsenz ist insbesondere in urbanen Zentren erhöht, wo staatliche Institutionen, Verkehrsknotenpunkte und öffentliche Einrichtungen konzentriert sind. Grenzkontrollen und Migrationsmanagement wurden entlang zentraler Transitachsen verstärkt, um irreguläre Bewegungen und potenziell sicherheitsrelevante Reiseaktivitäten besser zu erfassen. Gleichzeitig wird auf strukturelle Schwächen hingewiesen: Unbewachte Grenzabschnitte, schwer kontrollierbares Gelände und informelle Routen führen dazu, dass die Grenzsicherung nicht flächendeckend ist und als lückenhaft beschrieben wird.

Ein wesentlicher Bestandteil der Sicherheitsarchitektur ist die internationale Zusammenarbeit. Bosnien-Herzegowina kooperiert eng mit Organisationen und Partnerstaaten wie den Vereinten Nationen, der OSZE, der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten. Diese Kooperationen umfassen Kapazitätsaufbau, Ausbildung, Informationsaustausch und regionale Abstimmung, insbesondere im westlichen Balkanraum. Der aktualisierte strategische Ansatz berücksichtigt neben jihadistischen Bedrohungen zunehmend auch rechtsextreme und andere ideologisch motivierte Gewaltformen.
Die Notfallvorsorge in Bosnien-Herzegowina ist in ein mehrstufiges nationales Krisen- und Katastrophenmanagement eingebettet, das terroristische Anschläge als Teil von sogenannten Multi-Risk-Szenarien behandelt. Strategische Planungen berücksichtigen dabei sowohl klassische Terrorfolgen als auch Szenarien mit chemischen, biologischen, radiologischen und nuklearen Gefahren (CBRN).

Die medizinischen Kapazitäten sind vor allem in größeren urbanen Zentren wie Sarajevo und Banja Luka konzentriert. Dort verfügen Krankenhäuser über Notaufnahmen und Intensivstationen, die grundsätzlich für die Bewältigung regulärer Notlagen ausgelegt sind. Bei Szenarien mit einem Massenanfall von Verletzten bestehen jedoch Einschränkungen, die auf Personalmangel, begrenzte Spezialisierung und ungleiche regionale Verteilung medizinischer Ressourcen zurückgeführt werden. In ländlichen Regionen ist der Zugang zur medizinischen Versorgung schwächer ausgeprägt, insbesondere aufgrund infrastruktureller Defizite und eingeschränkter Primärversorgung.

Evakuierungs-, Interventions- und Krisenmanagementpläne existieren auf nationaler und lokaler Ebene und werden regelmäßig zwischen Polizei, Zivilschutz, Rettungsdiensten und medizinischen Einrichtungen abgestimmt. Übungen finden teils unter Beteiligung internationaler Partner statt. Gleichzeitig wird auf Defizite hingewiesen, darunter das Fehlen zentral koordinierter Notfallzentren, begrenzte Spezialausrüstung, unzureichende Ausbildungskapazitäten sowie Schwächen im Informationsaustausch und in der operativen Reaktionsgeschwindigkeit. Internationale Unterstützungsprogramme, unter anderem durch EU- und WHO-Strukturen, tragen schrittweise zur Verbesserung dieser Fähigkeiten bei, ohne bestehende Lücken vollständig zu schließen.

 

 

 

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Der „Islamische Staat“ mag militärisch besiegt sein, doch in Nordsyrien bereitet er seine nächste Generation vor. Al-Hol, das größte Internierungslager der Region, ist zu einem strategischen Rückzugsraum und Rekrutierungszentrum geworden. Zehntausende Anhänger und ihre Kinder leben hier unter Bedingungen, die die Kontrolle der kurdischen Sicherheitskräfte überfordern. Frauen übernehmen zentrale Rollen in der ideologischen Weitergabe, Kinder werden systematisch indoktriniert, und IS-Strukturen bestimmen das soziale Leben im Lager.