Die Bedrohung durch Terrorismus in Libyen ist nach wie vor hoch. Seit dem Sturz von Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 haben terroristische Gruppierungen die instabile Sicherheitslage im Land ausgenutzt, um Fuß zu fassen. Zu den aktivsten Organisationen zählen “Al-Qaida im Islamischen Maghreb” (AQIM) und der “Islamische Staat” (IS), die besonders in den Grenzregionen zu Algerien und Niger operieren.
Nachdem der IS seine Hochburg in Sirte im Dezember 2016 verloren hat, sind viele Kämpfer in den Süden des Landes ausgewichen, wo sie in unkontrollierten Gebieten Bewegungsfreiheit genießen.
Die Präsenz bewaffneter Sympathisanten und Mitglieder von Terrorgruppen, die mit Al-Qaida und dem IS in Verbindung stehen, erstreckt sich über das ganze Land. IS-Zellen agieren im zentralen Dreieck zwischen Bani Walid, dem südlichen Sirte und dem Jufra-Distrikt. Zudem werden Schläferzellen in Tripolis und Sabratha im Westen sowie in östlichen Städten vermutet.
Der IS hat zahlreiche Anschläge auf Sicherheitskräfte verübt, darunter Selbstmordattentate auf Kontrollpunkte und Polizeistationen. Tripolis gilt als besonders gefährdetes Ziel, da Angriffe dort die Projektion effektiver Sicherheit und Regierungsführung untergraben würden. Auch die Öl- und Gasindustrie, Flughäfen und andere wichtige Infrastrukturen sind potenzielle Angriffsziele.
Die Bekämpfung des Terrorismus wird durch den Zusammenbruch des umfangreichen Sicherheitsapparats erschwert, der unter Gaddafi großflächige Terroranschläge verhindert hatte. Dies hat dazu geführt, dass terroristische Gruppen nun mit größerer Freiheit operieren können. Ohne eine starke Regierung und angesichts des anhaltenden Bürgerkriegs ist in absehbarer Zeit keine konzertierte Antiterror-Aktion zu erwarten. Es ist wahrscheinlich, dass sich die Gruppen in den Grenzregionen festsetzen und zunehmend tödliche Anschläge verüben werden.