Philippinen

Die Philippinen zählen zu den komplexesten terroristischen Gefährdungsgebieten in Südostasien. Die Bedrohung ist historisch verwurzelt, geografisch fragmentiert und ideologisch vielfältig. Sie konzentriert sich vor allem auf die südliche Inselregion Mindanao sowie das Sulu-Archipel, während urbane Zentren wie Manila, Cebu und Davao durch Spillover-Effekte gefährdet bleiben. Charakteristisch ist die Persistenz kleiner, mobil operierender Zellen, die durch Jahrzehnte anhaltende Konflikte und die Fragmentierung größerer Gruppierungen entstanden sind.

Seit den 1970er-Jahren kämpfen separatistische, jihadistische und maoistische Gruppen auf den Philippinen. Bedeutende Organisationen sind die “Moro Islamic Liberation Front” (MILF), die “Abu Sayyaf Group” (ASG) und die “Bangsamoro Islamic Freedom Fighters” (BIFF). Diese Gruppen führten Entführungen, Bombenanschläge und Angriffe auf Sicherheitskräfte durch, was tausende Opfer forderte. Besonders der Marawi-Krieg 2017, bei dem IS-affine Milizen die Stadt monatelang besetzten, unterstrich die Bedrohung.

Kleinere, radikale Gruppen wie “Ansar al-Khalifa Philippines” (AKP) sowie die IS-nahen Maute- und ASG-Fraktionen agieren dezentral, oft in loser Absprache mit anderen Gruppen. Diese Netzwerke sind teilweise durch transnationale Kontakte zu IS, “Jemaah Islamiyah” (JI) und regionalen Kämpfern aus Indonesien und Malaysia verbunden. Rückkehrer aus Syrien und Irak verstärken lokale Zellen durch Kampferfahrung und Netzwerke.

Die Bedrohung hat sich von territorialer Kontrolle zu ideologischer Infiltration und opportunistischen Anschlägen verschoben. Die Gruppen agieren fragmentiert, dezentral und mobil, häufig in kleinen Familien- oder Clanstrukturen.

  • Städtische Zentren: Soft Targets wie Einkaufszentren, Kirchen, Flughäfen, Märkte und Touristenorte sind besonders gefährdet. Taktiken umfassen improvisierte Sprengsätze (IEDs), Messer- und Schussangriffe sowie potenzielle Selbstmordanschläge. Online-Radikalisierung verstärkt das Risiko von Einzeltäterattacken.
  • Ländliche und inselbasierte Gebiete: Mindanao, das Sulu-Archipel, Basilan, Tawi-Tawi und Zamboanga sind geprägt von Hinterhalten auf Militärkonvois, Entführungen zur Lösegelderpressung und Guerillakämpfen. Abgelegene Küsten und Waldgebiete dienen als Rückzugs- und Trainingsräume.

Zielobjekte reichen von Polizei und Militär über Infrastrukturprojekte bis hin zu Symbolen des Friedensprozesses und wirtschaftlichen Einrichtungen, um die politische Stabilisierung zu untergraben. Historische Anschläge wie der Doppelanschlag in Jolo 2020 zeigen die anhaltende operative Kapazität der Gruppen.

Radikalisierung erfolgt zunehmend über digitale Plattformen in regionalen Sprachen, Englisch und Tagalog, die lokale Spannungen, Clanstrukturen und wirtschaftliche Benachteiligung ausnutzen. Trainingslager in Mindanao ziehen auch internationale Rekruten an. Rückkehrer aus Auslandseinsätzen stellen eine zusätzliche Herausforderung dar, da sie operative Erfahrung und Netzwerke mitbringen.

Angesichts der vielschichtigen terroristischen Bedrohung auf den Philippinen verfolgt die Regierung unter Präsident Ferdinand Marcos Jr. einen dualen Ansatz: militärische Repression in Kombination mit rechtlicher Verschärfung und präventiver Krisenvorsorge. Die operativen Maßnahmen werden primär durch die Armed Forces of the Philippines (AFP) und die Philippine National Police (PNP) umgesetzt, die in bekannten Hotspots wie Mindanao, dem Sulu-Archipel und urbanen Zentren verstärkt präsent sind.

Der zentrale rechtliche Rahmen bildet der “Anti-Terrorism Act” (ATA) 2020, der trotz Kritik von Menschenrechtsorganisationen 2025 weiterhin aggressiv angewendet wird. Das Gesetz erlaubt präventive Festnahmen bis zu 24 Tagen ohne Haftbefehl und erleichtert die Sperrung von Finanzierungsnetzwerken. Dies ermöglicht den Sicherheitskräften, operativ auf die fragmentierten, mobilen Zellen von ASG, ISIP und NPA zu reagieren und die Finanzierung extremistischer Aktivitäten effektiv zu unterbinden.

Parallel zu nationalen Operationen wird auf internationale Kooperation gesetzt. Grenzkontrollen zu Indonesien und Malaysia, insbesondere im Sulu-Meer, wurden deutlich intensiviert, um die Bewegung von Kämpfern, Waffen und Finanzmitteln einzudämmen. Darüber hinaus bestehen enge Partnerschaften mit den USA, z. B. über die Joint Special Operations Task Force im Rahmen des Visiting Forces Agreement (VFA), sowie Informationsaustausch mit ASEAN-Partnern. Die Gründung von „Fusion Centern“ zur Bekämpfung von Terrorfinanzierung trug 2025 dazu bei, dass die Philippinen von der FATF-Grauen Liste gestrichen wurden.

Die Fähigkeit zur zivilen Krisenbewältigung ist unterschiedlich ausgeprägt:

  • Städtische Zentren: Metro Manila, Cebu und Davao verfügen über solide Krankenhauskapazitäten, Rettungsdienste und etablierte Evakuierungsprotokolle, die regelmäßig im Kontext von Naturkatastrophen wie Taifunen und Erdbeben geübt werden. Diese Strukturen bilden das Rückgrat für die Reaktion auf terroristische Anschläge.
  • Ländliche und abgelegene Gebiete: Mindanao und die Sulu-Inseln leiden unter limitierter Infrastruktur, Überlastung der medizinischen Versorgung und erschwerten Evakuierungsbedingungen. Insbesondere abgelegene Küsten und Inseln stellen eine logistische Herausforderung dar, da schnelle Hilfe und Evakuierung im Krisenfall nur eingeschränkt möglich sind.

Nationale Aktionspläne (2025–2028), einschließlich des “Marawi Compensation Board”, zielen darauf ab, die Ursachen des Extremismus langfristig zu bekämpfen. Sie kombinieren Wiederaufbau, Entschädigung betroffener Zivilisten und soziale Programme, die Radikalisierung verringern und die Resilienz lokaler Gemeinschaften stärken.

Trotz massiven militärischen Drucks, erheblicher Verluste und eines deutlichen Rückgangs großangelegter Anschläge bleibt der “Islamischen Staates in Ostasien” (IS-EAP), ein relevantes, wenn auch fragmentiertes jihadistisches Netzwerk. Die Organisation bleibt weniger durch spektakuläre Gewaltakte als vielmehr durch kleinteilige Operationen, ideologische Kontinuität, mediale Präsenz und verdeckte Rekrutierung handlungsfähig.

Der IS-EAP gilt als geschwächt, aber keineswegs besiegt Die dezentrale Struktur aus lokalen Gruppierungen auf den südlichen Philippinen, die strategische Bedeutung von Führungsfiguren wie Abu Zacharia, die regionale Ausstrahlung über die Philippinen hinaus sowie die Rolle moderner Propagandaplattformen wie der East Asia Knights Media Agency zeigen seine Anpssungsfähigkeit.