Die derzeitige terroristische Bedrohung in Kambodscha ist im regionalen Vergleich niedrig ausgeprägt, bleibt jedoch als potenziell vorhandenes und schwer vorhersehbares Risiko bestehen. Dies gilt insbesondere im Zusammenhang mit regionalen Netzwerken, großen Veranstaltungen sowie symbolträchtigen Zielen.
Historisch ist die Sicherheitslage des Landes stark durch den staatlich verordneten Massenmord der Roten Khmer in den 1970er-Jahren geprägt. Diese Phase extremer politischer Gewalt stellt keinen Terrorismus im zeitgenössischen Sinne dar, wirkt jedoch bis heute in gesellschaftlichen Strukturen und sicherheitspolitischen Denkmustern nach. In der jüngeren Vergangenheit wurde Kambodscha im südostasiatischen Kontext zeitweise als Rückzugs-, Transit- oder Logistikraum transnationaler Gruppen wahrgenommen. Dies zeigte sich unter anderem im Jahr 2003 durch die Festnahme von Mitgliedern und Unterstützern der Jemaah Islamiyah.
Seit diesen Ereignissen ist keine Serie größerer terroristischer Anschläge im Land bekannt geworden. Gleichwohl weisen aktuelle internationale Reisehinweise darauf hin, dass Anschläge grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden können und sich auch gegen Orte mit Ausländerpräsenz richten könnten. Die regionale Lage bleibt dabei sensibel, insbesondere vor dem Hintergrund von Grenzspannungen, vor allem mit Thailand, die politische Spannungen und sicherheitsrelevante Dynamiken im Umfeld von Großereignissen begleiten können.
Spezifische Risiken ergeben sich primär für sogenannte weiche Zielobjekte mit hoher Personenfrequenz und symbolischer Bedeutung. Dazu zählen touristische Zentren wie der Angkor-Wat-Komplex einschließlich internationaler Veranstaltungen, belebte urbane Zonen in Phnom Penh und Siem Reap, religiöse Stätten, diplomatische Vertretungen sowie Einrichtungen internationaler Organisationen.
Als potenzielle Anschlagsarten gelten im wahrscheinlicheren Szenario niedrig- bis mittelkomplexe Taten, etwa der Einsatz improvisierter Sprengsätze, bewaffnete Angriffe mit leichten Waffen oder Brandstiftungen. Hochkomplexe, koordinierte Mehrfachanschläge wären vor allem im Zusammenhang mit transnationalen Netzwerken relevant. Zwischen urbanen und ländlichen Räumen bestehen deutliche Unterschiede: Städte weisen aufgrund höherer Zielattraktivität, logistischer Infrastruktur und internationaler Sichtbarkeit ein erhöhtes Planungs- und Wirkpotenzial auf, während ländliche Regionen – trotz geringerer Zielrelevanz – aufgrund schwächerer staatlicher Präsenz, Korruption sowie unzureichender Kontrolle von Waffen- und Warenströmen als Rückzugs-, Vorbereitungs- oder Transiträume fungieren können. In Grenzgebieten, insbesondere zur thailändischen Grenze, dominieren zudem militärische Spannungen und Altlasten wie Landminen das Sicherheitsumfeld.
Hinweise auf eine ausgeprägte Szene von Rückkehrern aus jihadistischen Konfliktgebieten oder auf ein nennenswertes Kontingent kambodschanischer Foreign Fighters sind im öffentlichen Lagebild bislang nicht dominant. Ebenso bestehen keine belastbaren Belege für etablierte lokale Rekrutierungsnetzwerke transnationaler extremistischer Organisationen. Nationale Stellen betonen dennoch die Notwendigkeit, die Verbreitung gewaltbereiter extremistischer Ideologien, einschließlich entsprechender Online-Propaganda und externer Einflüsse, zu beobachten und präventiv zu begrenzen. Radikalisierungsrisiken werden dabei insbesondere im Zusammenhang mit sozioökonomischer Marginalisierung und kleinräumigen Minderheitenkonstellationen gesehen, ohne dass sich daraus bislang eine signifikante operative Bedrohungslage ergeben hätte.
Die kambodschanische Regierung begegnet sicherheitsrelevanten Bedrohungen, einschließlich des Terrorismus, mit einem formal etablierten rechtlichen, organisatorischen und operativen Rahmen. Grundlage bildet ein seit 2007 bestehendes Gesetz zur Terrorismusbekämpfung, das durch ergänzende Regelungen zur Geldwäsche- und Terrorismusfinanzierungsbekämpfung erweitert wurde. Diese Normen sind eingebettet in die Verpflichtungen aus internationalen Übereinkommen, Resolutionen der Vereinten Nationen sowie globalen Standards, unter anderem im Kontext der FATF. Die Gesetzgebung umfasst Mechanismen zur Finanzsperrung und zu Sanktionen gegen als terroristisch eingestufte Personen und Organisationen und dient der rechtlichen Unterbindung von Finanzierungsströmen.
Organisatorisch wurden nationale Koordinationsstrukturen geschaffen, darunter ein Nationales Komitee zur Terrorismusbekämpfung sowie spezialisierte Anti-Terror-Einheiten. Diese verfügen über besondere Fähigkeiten zur Bewältigung chemischer, biologischer, radiologischer und nuklearer Bedrohungen (CBRNE) sowie über maritime Einsatzoptionen. Die technischen Kapazitäten wurden durch internationale Unterstützung ausgebaut, unter anderem durch die Installation von Radioaktivitätsdetektionsportalen in Seehäfen und an internationalen Flughäfen sowie durch den Einsatz von Detektionsgeräten an Grenzübergängen. Grenz- und Sicherheitskräfte werden entsprechend geschult, um gefährliche Materialien, verdächtige Warenströme und Bewegungen zu erkennen. Die Polizeipräsenz ist insbesondere in urbanen Zentren und touristischen Zonen hoch, während Sicherheitskräfte in ländlichen und grenznahen Regionen primär Aufgaben des Grenzschutzes und der allgemeinen Kriminalitätsbekämpfung wahrnehmen.
Auf internationaler Ebene kooperiert Kambodscha mit multilateralen und bilateralen Partnern, darunter Organisationen der Vereinten Nationen, ASEAN-Strukturen, die Europäische Union sowie spezialisierte Einrichtungen im Bereich Terrorismus- und Finanzierungsbekämpfung. Diese Zusammenarbeit umfasst Trainingsprogramme, technischen Austausch und die Integration internationaler Empfehlungen zu Grenzmanagement, CBRN-Vorsorge und rechtsstaatlich konformer Terrorismusbekämpfung. Gleichzeitig bestehen strukturelle Herausforderungen bei der Umsetzung, die mit begrenzten Ressourcen, schwacher institutioneller Durchsetzungskraft und Korruptionsproblemen in Verbindung stehen. Internationale Beobachter verweisen zudem darauf, dass die Anti-Terror-Gesetzgebung in der Praxis teilweise auch gegenüber politischer Opposition und zivilgesellschaftlichen Akteuren angewendet wird.
Im Bereich der Notfallvorsorge verfügt Kambodscha über grundlegende medizinische Kapazitäten, die sich vor allem auf urbane Zentren konzentrieren. In Phnom Penh und Siem Reap stehen größere Krankenhäuser zur Verfügung, die akute Notfälle behandeln können. In ländlichen Regionen ist die medizinische Versorgung hingegen eingeschränkt, was unter anderem auf begrenzte Infrastruktur, Personalmangel, den verbreiteten Einsatz informeller Anbieter sowie die Problematik gefälschter Medikamente zurückzuführen ist. Spezifische Kapazitäten zur Bewältigung von Massenanfällen von Verletzten infolge terroristischer Anschläge sind nicht umfassend dokumentiert. Internationale Partner unterstützen die nationale Notfallvorsorge durch spezialisierte Trainings, insbesondere im Bereich radiologischer und nuklearer Bedrohungen, Erstintervention und Notfallreaktion, wodurch die Fähigkeiten zur Bewältigung komplexer Schadenslagen schrittweise erweitert werden.
Evakuierungs- und Krisenmanagementstrukturen sind vorhanden, folgen jedoch häufig einem ad-hoc-orientierten Ansatz. In früheren Konflikt- und Krisensituationen, etwa im Zusammenhang mit Grenzspannungen oder großangelegten Sicherheitsoperationen, wurden Schutz- und Evakuierungsmaßnahmen aktiviert, teils in Abstimmung mit ausländischen Vertretungen. Große Hotels, internationale Organisationen und diplomatische Missionen verfügen in der Regel über eigene Krisen- und Evakuierungspläne. Staatliche Kapazitäten für großflächige zivile Evakuierungen gelten als begrenzt und sind stark von der Koordinationsfähigkeit einzelner Provinzverwaltungen, der Unterstützung durch das Militär sowie von internationaler Hilfe abhängig. Bei schweren Schadensereignissen ist mit Engpässen bei Transport, Intensivversorgung, Spezialdiagnostik und überregionaler Koordination zu rechnen, wobei medizinische Evakuierungen in Nachbarstaaten oder regionalen medizinischen Zentren Teil bestehender Praxis sind.
Der „Islamische Staat“ mag militärisch besiegt sein, doch in Nordsyrien bereitet er seine nächste Generation vor. Al-Hol, das größte Internierungslager der Region, ist zu einem strategischen Rückzugsraum und Rekrutierungszentrum geworden. Zehntausende Anhänger und ihre Kinder leben hier unter Bedingungen, die die Kontrolle der kurdischen Sicherheitskräfte überfordern. Frauen übernehmen zentrale Rollen in der ideologischen Weitergabe, Kinder werden systematisch indoktriniert, und IS-Strukturen bestimmen das soziale Leben im Lager.