Seit Beginn des Bürgerkriegs 2011 haben sich in Syrien jihadistische Organisationen wie der „Islamische Staat“ (IS) und al-Qaida-nahe Fraktionen etabliert. Obwohl das territoriale Kalifat des IS 2019 verlorengegangen ist, operieren weiterhin verstreute Zellen und Aktivisten im ganzen Land. Sie führen Angriffe gegen Sicherheitskräfte und Zivilpersonen durch und nutzen sowohl urbane Schläferzellen als auch entlegene Wüstengebiete für asymmetrische Gewaltakte.
Neben dem IS sind „Hay’at Tahrir al-Sham“ (HTS), ein ehemals al-Qaida-verbundener Akteur, sowie kleinere militante Gruppen aktiv, die lokale oder regionale Ziele verfolgen. Die Rivalitäten zwischen diesen Gruppen und unterschiedlichen Milizen führen zu einer fragmentierten Sicherheitslandschaft. Transnationale Bedrohungen ergeben sich durch ausländische Kämpfer, regionale Stellvertreterkonflikte und grenzüberschreitende Netzwerke, wobei Syrien weiterhin als logistischer und symbolischer Referenzraum für jihadistische Akteure dient.
Die spezifischen Risiken variieren je nach Ziel, Geografie und Kontrolllage. In urbanen Zentren wie Damaskus, Aleppo und Homs bestehen erhöhte Gefahren durch improvisierte Sprengsätze, Selbstmordattentate, gezielte Tötungen sowie Angriffe auf staatliche Einrichtungen, religiöse Stätten und Infrastruktur. Ländliche Gebiete, insbesondere die Badia-Wüste, al-Hasaka, ar-Raqqa, Deir ez-Zour sowie der Nordwesten rund um Idlib und Hama, sind von Hinterhalten, Entführungen und Angriffen auf Kontrollpunkte geprägt.
Grenzregionen zu Irak, Türkei und Libanon sind anfällig für Schmuggel, Einschleusung von Kämpfern und grenzüberschreitende Gewalt. Typische Zielobjekte umfassen staatliche Einrichtungen, Sicherheitskräfte, Infrastrukturprojekte, internationale Hilfsorganisationen sowie religiöse Minderheiten wie Alawiten, Christen oder Drusen. Zusätzlich stellen Landminen und unexplodierte Kampfmittel ein indirektes, aber erhebliches Risiko für Bewegungen im Land dar.
Rückkehrer und radikalisierte Personen tragen ebenfalls zur Bedrohung bei. Nach dem Verlust territorialer Kontrolle des IS und dem Ende großflächiger Kämpfe kehren Binnenvertriebene und ausländische Flüchtlinge zurück, darunter auch radikalisierte Personen. Lager für Binnenvertriebene, Haftanstalten und sozioökonomisch marginalisierte Milieus dienen weiterhin als Rekrutierungspunkte. Die lokale Rekrutierung wird durch wirtschaftliche Not und geringe Perspektiven begünstigt. Radikalisierte Rückkehrer und deren Netzwerke erhöhen das Risiko schleichender Re-Radikalisierung und erneuter Mobilisierung, insbesondere in ehemals von Extremisten kontrollierten Gebieten.
Der „Islamische Staat“ mag militärisch besiegt sein, doch in Nordsyrien bereitet er seine nächste Generation vor. Al-Hol, das größte Internierungslager der Region, ist zu einem strategischen Rückzugsraum und Rekrutierungszentrum geworden. Zehntausende Anhänger und ihre Kinder leben hier unter Bedingungen, die die Kontrolle der kurdischen Sicherheitskräfte überfordern. Frauen übernehmen zentrale Rollen in der ideologischen Weitergabe, Kinder werden systematisch indoktriniert, und IS-Strukturen bestimmen das soziale Leben im Lager.