Das klassische transnationale Terrorismusrisiko Brasiliens im engeren, ideologisch oder religiös motivierten Sinne bleibt im internationalen Vergleich weiterhin niedrig. Größere islamistisch motivierte Terroranschläge sind bislang ausgeblieben, und eine sicherheitspolitisch relevante Rückkehrerproblematik aus den Konfliktgebieten des Nahen Ostens lässt sich auf Grundlage der verfügbaren Erkenntnisse nicht feststellen.
Die dominierende sicherheitspolitische Herausforderung Brasiliens besteht vielmehr in der hochgewalttätigen organisierten Kriminalität, deren Bedeutung durch die internationale Einstufung des Primeiro Comando da Capital (PCC) und des Comando Vermelho (CV) als Terrororganisationen zusätzlich an sicherheitspolitischer Relevanz gewonnen hat. Beide Organisationen verfügen über ausgeprägte Merkmale territorialer Kontrolle, wenden systematisch Gewalt gegen staatliche Institutionen und Zivilpersonen an und unterhalten weitreichende nationale sowie internationale Finanz- und Logistiknetzwerke. Darüber hinaus bestehen nach den vorliegenden Erkenntnissen punktuelle Überschneidungen mit international gelisteten Terrororganisationen im Bereich der Finanzierungsstrukturen.
Ergänzt wird dieses Sicherheitsbild durch das bereits im Jahr 2023 sichtbar gewordene Risiko politisch motivierter Gewalt gegen staatliche Institutionen sowie durch die zunehmende Bedeutung von Cyberbedrohungen, die sowohl staatliche Einrichtungen als auch kritische Infrastrukturen betreffen können.
