Die ägyptische Regierung verfolgt eine stark zentralisierte, sicherheitsorientierte Anti-Terror-Strategie, die sich auf massive Militär- und Polizeieinsätze, ein dichtes Netz an Checkpoints in sicherheitssensiblen Regionen und eine ausgeprägte Präsenz von Sicherheitskräften in Großstädten und touristischen Gebieten stützt. In Nord-Sinai wurden wiederholt groß angelegte Operationen mit Luftunterstützung, Kooperation mit lokalen Stämmen und Zerstörung von Tunneln und Schmuggelstrukturen durchgeführt, was die Fähigkeit der dortigen Gruppen zum territorialen Halten und zu großangelegten Angriffen erheblich eingeschränkt hat.
In städtischen Gebieten und Touristenzentren ist die Polizeipräsenz allgegenwärtig, unterstützt durch eine spezialisierte Tourismuspolizei, Checkpoints und strenge Zugangskontrollen zu Hotels und Sehenswürdigkeiten
Rechtlich stützt sich die Terrorismusbekämpfung auf ein umfassendes Anti-Terror-Gesetz von 2015 und ergänzende Notstands- sowie Strafrechtsnormen, die unter anderem weitreichende Möglichkeiten zur präventiven Inhaftierung, zur Einschränkung von Meinungs- und Versammlungsfreiheit sowie zur Terrorismusfinanzierungsbekämpfung vorsehen. Internationale und UN-Mandatsträger kritisieren, dass diese Gesetze häufig gegen Menschenrechtsverteidiger, Journalisten und Oppositionelle eingesetzt werden und Praktiken wie die sogenannte „Rotation“ von Anklagen zu anhaltender Inhaftierung ohne effektive rechtsstaatliche Kontrolle führen.
Auf internationaler Ebene ist Ägypten in diverse multilaterale Initiativen zur Terrorismusbekämpfung eingebunden, etwa im Rahmen der Vereinten Nationen, regionaler arabischer und afrikanischer Organisationen sowie bilateraler Sicherheitskooperation mit Staaten wie den USA und europäischen Ländern. Zudem werden Grenzkontrollen an neuralgischen Punkten – insbesondere an den Grenzen zu Libyen, Gaza und dem Sudan – ausgebaut, um Waffen- und Kämpferströme zu begrenzen, wobei unwegsames Terrain und grenzüberschreitende Schmuggelnetzwerke eine vollständige Kontrolle erschweren
Menschenrechtsorganisationen kritisieren, dass die sehr weit gefassten Terrorismusdefinitionen im ägyptischen Recht friedliche Opposition, zivilgesellschaftliches Engagement und Menschenrechtsarbeit unter Terrorismusverdacht stellen, was nicht nur zu Repression führt, sondern auch das Risiko langfristiger Gegenradikalisierung erhöht.
Das nationale Krisenmanagement zeichnet sich durch eine stark hierarchische, sicherheitsdienstlich dominierte Entscheidungsstruktur aus, bei der Militär und Innenministerium zentral koordinieren und bei größeren Vorfällen schnell sichtbare Kräfte entsenden, was einerseits die Reaktionsgeschwindigkeit erhöht, andererseits aber die Transparenz und Einbindung unabhängiger Akteure begrenzt. Bei großflächigen Störungen – etwa im Luftverkehr oder in touristischen Zentren – können kurzfristig Einschränkungen wie Ausgangssperren, Straßensperren oder verstärkte Kontrollen eingeführt werden.
Indien hat seine diplomatischen Anstrengungen intensiviert, um die von Pakistan aus operierende Terrorgruppe „The Resistance Front“ (TRF), einen Ableger der “Lashkar-e-Taiba” (LeT), offiziell auf die Sanktionsliste der Vereinten Nationen setzen zu lassen. Hintergrund ist die mutmaßliche Beteiligung der TRF am Terroranschlag von Pahalgam im indischen Bundesstaat Jammu und Kashmir am 22. April, 2025 bei dem zahlreiche Menschen ums Leben kamen.
Eine indische Delegation traf sich dazu in New York mit hochrangigen Vertretern des UN-Büros für Terrorismusbekämpfung (UNOCT) sowie der Exekutivdirektion des Anti-Terrorismus-Ausschusses (CTED). Ziel der Gespräche ist es, die internationale Gemeinschaft und insbesondere das Überwachungsteam des Sanktionsausschusses 1267 von der Einstufung der TRF als Terrororganisation zu überzeugen. Die indische Delegation koordiniert sich dabei eng mit weiteren Partnerstaaten innerhalb der Vereinten Nationen.
Indien betont, dass eine Listung der TRF als Terrororganisation ein entscheidender Schritt zur Eindämmung grenzüberschreitender Terroraktivitäten und zur Stärkung der internationalen Sicherheit wäre. Die Regierung appelliert an die internationale Staatengemeinschaft, gemeinsam entschlossen gegen Terrorismus und seine Unterstützer vorzugehen.
Nach dem Terroranschlag auf Touristen im indisch kontrollierten Teil Kaschmirs am 22. April 2025, bei dem 26 Menschen getötet wurden, hat Indien seine militärischen Operationen gegen terroristische Ziele in Pakistan vorläufig eingestellt.
Premierminister Narendra Modi betonte, dass diese Einsätze lediglich pausieren und künftige Maßnahmen vom Verhalten Pakistans abhängen werden. Im Rahmen der Operation “Sindoor” hatte Indien gezielte Luftangriffe auf mehrere mutmaßliche Terroristenlager in Pakistan und im pakistanisch kontrollierten Teil Kaschmirs durchgeführt und nach eigenen Angaben neun Lager zerstört.
Die Angriffe erfolgten als direkte Reaktion auf den Terroranschlag, für den Indien Pakistan eine Mitverantwortung zuschreibt. Islamabad weist jede Beteiligung an dem Anschlag zurück. Infolge der indischen Militäraktion kam es zu heftigen Gefechten und gegenseitigen Luftangriffen in den Grenzregionen.
Die Sicherheitslage in Ägypten ist durch eine komplexe, aber in den letzten Jahren stabilisierte Bedrohungslage gekennzeichnet. Das Land ht seit den 1990er Jahren wiederkehrende Wellen islamistisch motivierter Gewalt erlebt, die sich nach dem politischen Umbruch 2011 und dem Sturz der Muslimbruderschaft 2013 intensivierten. Aktuell geht die primäre Bedrohung von transnational agierenden Dschihadisten aus, die sich oft lokalen Gegebenheiten anpassen. Während sich das Risiko in den touristischen Zentren und Großstädten seit einigen Jahren deutlich reduziert hat, bestehen im Norden der Sinai-Halbinsel und in Teilen der Wüstenregionen nach wie vor erhöhte Gefahren vereinzelter Anschläge gegen Sicherheitskräfte, religiöse Minderheiten und ausländische Ziele.
Die dominanteste Gruppierung ist der „Islamische Staat – Provinz Sinai“ (Wilayat Sinai), ehemals bekannt als “Ansar Beit al-Maqdis”. Diese Gruppe hat dem IS die Treue geschworen und operiert als dessen lokaler Ableger.
Neben dem IS-Sinai existieren versprengte Zellen, die der Al-Qaida nahestehen (wie Al-Murabitun, die jedoch stark geschwächt wurden), sowie militante Splittergruppen der Muslimbruderschaft, wie die Hasm-Bewegung und Liwa al-Thawra. Deren genaue Stärke ist unklar und der Operationsraum primär auf Nord-Sinai und Teile der angrenzenden Wüstenregionen begrenzt. Während letztere primär staatliche Akteure im Niltal ins Visier nehmen, konzentriert sich der IS-Sinai auf eine asymmetrische Kriegsführung mit hoher Intensität. Transnationale Bedrohungen entstehen zudem durch die poröse Westgrenze zu Libyen, die als Transitroute für Waffen und Kämpfer dient.
Das Risikoprofil variiert drastisch zwischen verschiedenen geografischen Zonen. Ein signifikantes Gefälle besteht zwischen dem Nordsinai und dem Rest des Landes. Der Nordsinai gilt als primäres Operationsgebiet des “Wilayat Sinai” und faktisches Kriegsgebiet. Potenzielle Anschlagsarten umfassen Sprengfallen am Straßenrand, komplexe Angriffe mit Schusswaffen, Sprengstoffanschläge gegen Gebäude oder Fahrzeuge, vereinzelte Raketen- bzw. Mörserangriffe sowie Entführungen und gezielte Tötungen von Sicherheitskräften oder als „Kollaborateure“ wahrgenommenen Zivilpersonen.
In den urbanen Zentren (Kairo, Alexandria) treten eher niedrigschwellige Bedrohungsformen wie Einzeltäter mit Schusswaffen oder Messerangriffe, Sprengsätze kleineren Umfangs oder Angriffe auf Kontrollpunkte auf. Touristischen Zentren am Roten Meer (Hurghada, Scharm el-Scheich, Marsa Alam) profitieren von stark verdichteten Sicherheitsmaßnahmen, sichtbarer Polizeipräsenz und besonderem Schutz von Hotels, Flughäfen und touristischen Attraktionen,
Die Zielobjekte der Terroristen umfassen in erster Linie ägyptische Sicherheitskräfte (Militär und Polizei) und staatliche Infrastruktur. Dennoch bleiben koptische Christen und deren Kirchen sowie westliche Touristen symbolträchtige Ziele, um internationale Aufmerksamkeit zu generieren und die ägyptische Wirtschaft zu destabilisieren.
Ägypten war im Verlauf der Konflikte in Syrien, Irak und Libyen sowohl Herkunfts- als auch Transitland für ausländische Kämpfer, wobei die genauen Zahlen umstritten sind und ein erheblicher Teil der Betroffenen im Ausland getötet oder festgesetzt wurde. Sicherheitsbehörden betrachten mögliche Rückkehrer als Risiko für operative Expertise, Rekrutierung und Propaganda, zumal Verbindungen zwischen Sinai-Gruppen und überregionalen jihadistischen Strukturen dokumentiert sind, auch wenn die ägyptische Seite dies mit repressiven Maßnahmen zu unterbinden versucht.
Die Rekrutierung erfolgt dabei nicht nur ideologisch, sondern nutzt in vernachlässigten Gebieten wie dem Nordsinai auch sozioökonomische Missstände und Konflikte zwischen lokalen Beduinenstämmen und der Zentralregierung aus. Autoritären Strukturen, Menschenrechtsverletzungen und Konflikten zwischen Staat und bestimmten Bevölkerungsgruppen speisen perspektivloser Männer. Gefängnisse in Ägypten fungieren ebenfalls oft als Brutstätten für Radikalisierung, wo Mitglieder der Muslimbruderschaft mit Dschihadisten in Kontakt kommen.

Zwei mutmaßliche Terroristen festgenommen
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