Indonesien weist aktuell eine im internationalen Vergleich mittel bis niedrige Terrorismusbelastung auf. Im Global Terrorism Index 2025 erreichte das Land einen Score von 4,17 und belegte Rang 30 von 163 Staaten, was eine leichte Verbesserung gegenüber dem Vorjahr darstellt. Nach Angaben der Badan Nasional Penanggulangan Terorisme (BNPT) ist der Einfluss terroristischer Aktivitäten in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Die vorliegenden Daten zeigen jedoch keine Eliminierung der Bedrohung, sondern eine strukturelle Transformation: Während groß angelegte, zentral gesteuerte Anschläge deutlich seltener geworden sind, verlagert sich das Risiko zunehmend auf dezentral organisierte Kleinzellen, digital radikalisierte Einzelpersonen sowie transnationale Netzwerkverbindungen.
Die historische Entwicklung des Terrorismus in Indonesien ist seit den frühen 2000er-Jahren durch mehrere hochwirksame Anschläge geprägt. Einen zentralen Wendepunkt stellte das Ereignis Bali Bombings 2002 dar, bei dem über 200 Menschen getötet wurden. In den Folgejahren kam es zu weiteren Anschlägen, darunter der Angriff auf die australische Botschaft in Jakarta im Jahr 2004, der zweite Bali-Anschlag 2005 sowie die koordinierten Angriffe auf internationale Hotels in Jakarta im Jahr 2009. In der jüngeren Vergangenheit wurden unter anderem 2016 ein Anschlag im Stadtzentrum von Jakarta, 2018 koordinierte Kirchenanschläge in Surabaya, 2021 ein Angriff auf die Kathedrale in Makassar sowie 2022 ein Selbstmordanschlag auf ein Polizeipräsidium in Bandung verzeichnet, der bislang letzte größere Vorfall war. Diese Ereignisse verdeutlichen eine Entwicklung von komplex koordinierten Operationen hin zu kleineren, lokal organisierten Angriffen.
Die derzeitige Bedrohungslage wird durch mehrere Organisationen geprägt, deren Struktur und operative Fähigkeiten sich jedoch verändert haben. Die “Jemaah Islamiyah” (JI), historisch die bedeutendste Organisation mit Verbindungen zu Al-Qaeda, erklärte am 30. Juni 2024 offiziell ihre Auflösung. Trotz dieser Entwicklung besteht weiterhin ein Restrisiko durch verbleibende Netzwerke, potenzielle Reorganisationsprozesse oder Abspaltungen. Parallel dazu bleibt “Jamaah Ansharut Daulah” (JAD) die wichtigste pro-IS-Struktur im Land, operiert jedoch überwiegend in stark fragmentierten Kleinzellen mit begrenzter operativer Kapazität. Die historisch verwurzelte Bewegung Darul Islam zeigt weiterhin vereinzelte Reaktivierungsversuche, ohne bislang signifikante operative Wirkung zu entfalten. Zusätzlich wurde 2024 die Gruppe Jamaah Ansharusy Syariah erneut identifiziert, deren Mitglieder Verbindungen zu Al-Qaeda in the Arabian Peninsula sowie Aktivitäten in Konfliktgebieten wie Jemen und Syrien aufweisen.
Die transnationale Dimension bleibt ein konstanter Faktor der Bedrohungslage. Indonesische Netzwerke stehen weiterhin in ideologischer und teilweise operativer Verbindung zum Islamic State sowie zu Al-Qaida-nahen Strukturen. Regionale Verflechtungen bestehen insbesondere mit Netzwerken in den Philippinen und Malaysia, während Kontakte zu Konfliktgebieten in Syrien, Irak, Afghanistan und Jemen bestehen bleiben. Diese internationalen Verbindungen beeinflussen sowohl Rekrutierungsprozesse als auch ideologische Ausrichtungen innerhalb Indonesiens.
Die Analyse spezifischer Risiken zeigt ein konsistentes Muster bei potenziellen Zielobjekten. Sicherheitskräfte, insbesondere Polizeieinrichtungen, stellen die am häufigsten priorisierten Ziele dar, gefolgt von religiösen Einrichtungen, vor allem christlichen Kirchen. Westliche Interessen wie Botschaften und internationale Hotels sowie kritische Infrastruktur und Wahleinrichtungen werden als Ziele mittlerer Priorität eingestuft. Wirtschaftliche Ziele spielen bislang eine untergeordnete Rolle. Vereitelte Anschlagspläne der Jahre 2023 und 2024 richteten sich überwiegend gegen Polizeistationen und Wahlinfrastruktur, was die Kontinuität dieser Zielauswahl bestätigt.
Hinsichtlich der Anschlagsmethoden dominieren weiterhin einfache und operativ niedrigschwellige Vorgehensweisen. Dazu zählen Selbstmordanschläge, improvisierte Sprengsätze sowie Einzeltäterangriffe mit einfachen Waffen. Ergänzend wurden vereinzelt Fahrzeugangriffe beobachtet. Darüber hinaus sind seit 2011 mindestens acht Vorfälle mit chemischen Komponenten dokumentiert worden, was zu einer verstärkten Zusammenarbeit zwischen der BNPT und dem United Nations Office on Drugs and Crime im Bereich der CBRN-Abwehr geführt hat.
Die räumliche Verteilung der Bedrohung weist deutliche Unterschiede zwischen urbanen und ländlichen Regionen auf. Städtische Zentren wie Jakarta, Surabaya, Bandung und Makassar besitzen aufgrund ihrer symbolischen Bedeutung, der hohen Bevölkerungsdichte und der Konzentration staatlicher sowie internationaler Einrichtungen eine hohe Zielattraktivität. Ländliche und periphere Regionen hingegen fungieren primär als Rückzugs-, Trainings- und Rekrutierungsräume. Besonders relevant sind hierbei Regionen wie Sulawesi (Poso), Kalimantan sowie Teile der Molukken. In Papua besteht zwar eine erhöhte Gewaltintensität, diese ist jedoch überwiegend separatistisch motiviert und nicht dem islamistischen Terrorismus zuzuordnen.
Ein zentraler Risikofaktor bleibt der Umgang mit Rückkehrern aus Konfliktgebieten. Ende 2024 befanden sich laut BNPT noch 483 indonesische Staatsangehörige in syrischen Internierungslagern, während insgesamt etwa 529 Personen, überwiegend Frauen und Kinder, in den Lagern Al-Hol und Roj leben. Zwischen 2023 und 2024 wurden 41 Personen aus verschiedenen Staaten zurückgeführt. Die politische Behandlung dieser Rückkehrer wird unter anderem durch Entscheidungen von Joko Widodo und Prabowo Subianto geprägt, wobei Sicherheitsüberprüfungen eine zentrale Rolle spielen. Besonders relevant ist die langfristige Radikalisierungsgefahr von Kindern in den Lagern, die bereits teilweise in Rekrutierungsprozesse eingebunden waren.
Parallel dazu erfolgt Rekrutierung zunehmend im Inland über unterschiedliche Kanäle. Neben religiösen Bildungseinrichtungen spielen Gefängnisse eine wichtige Rolle als Orte der Vernetzung und ideologischen Einflussnahme. Gleichzeitig hat sich der digitale Raum als zentraler Rekrutierungs- und Radikalisierungsraum etabliert. Im Jahr 2024 wurden über 180.000 extremistische Inhalte entfernt, die überwiegend mit IS-nahen Netzwerken und der Organisation Hizb ut-Tahrir Indonesia in Verbindung standen. Diese Entwicklung korreliert mit einer zunehmenden Bedeutung von Heimradikalisierung, bei der Einzelpersonen ohne direkte organisatorische Anbindung ideologisch geprägt werden und eigenständig handeln.
Die aktuellen Trends bestätigen eine weitere Reduktion sichtbarer terroristischer Aktivitäten bei gleichzeitiger Persistenz latenter Risiken. Im Jahr 2025 wurden lediglich 20 terrorismusbezogene Festnahmen registriert, was einem Rückgang von über 65 Prozent gegenüber 2023 entspricht. Bereits 2024 wurde zum zweiten Mal in Folge kein erfolgreicher Anschlag verzeichnet, während die Zahl geplanter Anschläge von sieben im Jahr 2023 auf drei im Jahr 2024 sank. Diese Entwicklung deutet auf eine erhöhte Effektivität präventiver Sicherheitsmaßnahmen hin, insbesondere durch polizeiliche Interventionen.
Gleichzeitig verlagert sich die Bedrohung zunehmend in den digitalen Raum, wo Radikalisierung, Propaganda und Netzwerkbildung stattfinden. Internationale Entwicklungen beeinflussen diese Dynamik zusätzlich. Der Machtwechsel in Syrien im Dezember 2024 durch Hayat Tahrir al-Sham führte zu einer Intensivierung extremistischer Diskurse in indonesischen Online-Umfeldern, insbesondere zwischen Anhängern verschiedener jihadistischer Strömungen.
Am wahrscheinlichsten sind Einzeltäteranschläge durch digital radikalisierte Personen mit mittlerer Schadenswirkung. Ebenfalls relevant bleibt die Möglichkeit der Bildung neuer Splittergruppen ehemaliger JI-Mitglieder sowie eine potenzielle Destabilisierung durch Rückkehrer aus Konfliktgebieten. Groß angelegte, koordinierte Anschläge durch bestehende Netzwerke gelten derzeit als weniger wahrscheinlich, hätten jedoch im Eintrittsfall eine hohe Schadenswirkung. CBRN-bezogene Szenarien werden als sehr unwahrscheinlich, aber potenziell katastrophal eingestuft.
Die Terrorismusbekämpfung in Niger stellt sich als ein komplexes, mehrschichtiges System dar, das sich aus rechtlichen Rahmenbedingungen, institutionellen Strukturen, operativen Maßnahmen, nationalen Programmen sowie internationalen Kooperationsmechanismen zusammensetzt und seit dem Militärputsch im Juli 2023 eine grundlegende strukturelle Transformation erfahren hat. Diese Transformation zeigt sich insbesondere in der Verschiebung von formal gesetzlich geregelten Verfahren hin zu exekutiv dominierten Entscheidungsstrukturen sowie in der Neuordnung sowohl interner als auch externer Sicherheitsmechanismen.
Die rechtlichen Grundlagen der Terrorismusbekämpfung beruhen formal weiterhin auf der Verfassung von 2010, welche die Gewaltenteilung zwischen Exekutive, Legislative und Judikative vorsieht und die Sicherheitsverantwortung primär der Exekutive zuweist. Diese verfassungsrechtliche Ordnung wird jedoch seit dem Machtwechsel durch eine Praxis der Regierungsführung per Dekret ergänzt beziehungsweise ersetzt. In diesem Zusammenhang wurde mit der Ordonnanz Nr. 2024-43 ein zentrales Instrument geschaffen, das die Einrichtung einer automatisierten Datenbank für Personen, Gruppen und Einheiten mit Bezug zu terroristischen Aktivitäten vorsieht. Diese Maßnahme ist mit administrativen Konsequenzen verbunden, darunter Reisebeschränkungen, Einfrieren von Vermögenswerten sowie der mögliche Entzug der Staatsangehörigkeit.
Parallel dazu bestehen strafrechtliche Regelungen, die Untersuchungshaft von bis zu vier Jahren ermöglichen, sowie die Praxis, Zivilpersonen vor Militärgerichten anzuklagen.
Ergänzend dazu wurden Notstands- und Mobilisierungsmaßnahmen eingeführt, die erweiterte Eingriffsbefugnisse der Sicherheitsorgane umfassen, einschließlich Kommunikationsüberwachung, Beschlagnahmung von Eigentum, Bewegungsbeschränkungen und verpflichtender Mitwirkung der Bevölkerung bei sicherheitsrelevanten Meldungen. Gleichzeitig existieren neben dem formellen Rechtssystem weiterhin Elemente des Gewohnheitsrechts, die insbesondere in lokalen Kontexten Anwendung finden und parallel zu staatlichen Strukturen bestehen.
Die institutionelle Struktur der Terrorismusbekämpfung ist durch ein mehrgliedriges Sicherheitsapparat-System geprägt, das militärische und zivile Akteure miteinander verbindet.
Die Forces Armées Nigériennes bilden den zentralen operativen Kern und übernehmen die Durchführung militärischer Operationen gegen bewaffnete Gruppen, insbesondere in Grenz- und Konfliktregionen.
Ergänzend dazu sind Polizei, Gendarmerie und Nationalgarde für unterschiedliche Aspekte der inneren Sicherheit zuständig, wobei die Polizei vorwiegend in urbanen Räumen operiert, während Gendarmerie und Nationalgarde insbesondere in ländlichen Gebieten sowie im Grenzschutz eingesetzt werden.
Spezialisierte Einheiten innerhalb dieser Strukturen werden lageabhängig gemeinsam eingesetzt und übernehmen Aufgaben der Aufstandsbekämpfung, der Gefahrenabwehr sowie der Sicherung kritischer Infrastruktur.
Im Bereich der Strafverfolgung wurde mit dem Service “Central de Lutte Contre le Terrorisme et la Criminalité Transnationale Organisée” eine spezialisierte Einheit geschaffen, die sowohl Ermittlungs- als auch Haftfunktionen wahrnimmt. Ergänzend dazu bestehen geheimdienstliche Strukturen zur Informationsgewinnung und Analyse, deren Leistungsfähigkeit jedoch im Kontext veränderter internationaler Kooperationen steht.
Das Justizsystem umfasst mehrere Instanzen einschließlich spezialisierter Gerichte für sicherheitsrelevante Verfahren und ist in die strafrechtliche Verfolgung eingebunden, weist jedoch Kapazitäts- und Verfahrensprobleme auf.
Auf strategischer Ebene folgt die Terrorismusbekämpfung einem sicherheitszentrierten Ansatz, der operative Maßnahmen, territoriale Kontrolle und präventive Elemente miteinander verbindet.
Vor dem Jahr 2023 existierten strukturierte nationale Strategien zur Prävention und Bekämpfung gewaltsamen Extremismus, die auf Dialogformate, soziale Stabilisierung und die Einbindung lokaler Akteure abzielten. Institutionen wie die Haute Autorité à la Consolidation de la Paix waren in diese Prozesse eingebunden und fungierten als Schnittstellen zwischen Staat und Gesellschaft. Nach dem Machtwechsel sind diese Strukturen in ihrer Funktion eingeschränkt oder verändert worden.
Parallel dazu bestehen Programme im Bereich Justiz, Strafvollzug und Prävention, die unter Beteiligung internationaler Organisationen umgesetzt werden und Maßnahmen zur Deradikalisierung, Reintegration sowie zur Verbesserung institutioneller Kapazitäten umfassen. Ergänzend werden traditionelle Autoritäten und lokale Gemeinschaftsstrukturen in Konfliktmediation und Stabilisierung eingebunden, wodurch staatliche Maßnahmen durch informelle Mechanismen ergänzt werden.
Die internationale Zusammenarbeit stellt einen wesentlichen Bestandteil der Terrorismusbekämpfung dar, hat jedoch seit 2023 eine grundlegende Neuausrichtung erfahren.
Frühere Kooperationen mit westlichen Partnern, die militärische Präsenz, Ausbildung, Aufklärung und logistische Unterstützung umfassten, wurden beendet. Gleichzeitig erfolgte der Austritt aus regionalen Sicherheitsstrukturen wie ECOWAS und dem G5 Sahel, wodurch bestehende Koordinationsmechanismen im Bereich der grenzüberschreitenden Terrorismusbekämpfung reduziert wurden.
An deren Stelle trat die Zusammenarbeit innerhalb der Alliance des États du Sahel, die gemeinsame militärische Operationen und sicherheitspolitische Abstimmung zwischen Niger, Mali und Burkina Faso vorsieht.
Parallel dazu bestehen weiterhin Kooperationen mit internationalen Organisationen, insbesondere im Rahmen der Vereinten Nationen und spezialisierter Programme wie UNODC, die sich auf Kapazitätsaufbau, Strafverfolgung und Prävention konzentrieren. Zusätzlich wurden neue Partnerschaften mit Staaten wie Russland und China aufgebaut, die sicherheitsbezogene und wirtschaftliche Unterstützung umfassen und die internationale Einbindung Nigers neu strukturieren.
Die operative Umsetzung der Terrorismusbekämpfung zeigt sich in einer Vielzahl von militärischen und sicherheitsbezogenen Maßnahmen, die sowohl kontinuierlich als auch punktuell erfolgen. Dazu gehören großangelegte militärische Operationen in Grenzregionen, koordinierte Einsätze von Militär, Polizei und Gendarmerie sowie Maßnahmen zur Sicherung von Verkehrs- und Versorgungsrouten.
Einzelne Ereignisse wie der Angriff bei Tongo Tongo im Jahr 2017, die gezielte Tötung von Führungsfiguren jihadistischer Gruppen im Jahr 2021 sowie trilaterale Operationen im Jahr 2024 verdeutlichen die operative Bandbreite und die Einbindung unterschiedlicher Akteure. Ergänzend dazu stehen aktuelle Operationen wie Niya, Damissa und Garkouwa sowie Luftschläge und Drohneneinsätze, die auf die Bekämpfung bewaffneter Gruppen und die Unterbrechung logistischer Netzwerke abzielen. Gleichzeitig werden Maßnahmen wie Überwachung, Datenbankführung und Kommunikationskontrolle eingesetzt, um präventive und repressive Elemente miteinander zu verbinden. Diese Operationen erfolgen insbesondere in Regionen mit hoher Aktivität jihadistischer Gruppen und umfassen sowohl ländliche als auch urbane Räume.
Die gesellschaftlichen und menschenrechtlichen Aspekte der Terrorismusbekämpfung sind durch dokumentierte Kritikpunkte gekennzeichnet, die sich aus der Anwendung der beschriebenen Maßnahmen ergeben. Berichte verweisen auf weit gefasste gesetzliche Definitionen und administrative Instrumente, die eine Einstufung von Personen als sicherheitsrelevant auch auf Grundlage unspezifischer Kriterien ermöglichen.
In diesem Zusammenhang wurden Fälle von Inhaftierungen ohne klare strafrechtliche Grundlage, Einschränkungen der Meinungsfreiheit sowie Maßnahmen gegen politische Akteure und zivilgesellschaftliche Organisationen dokumentiert. Zusätzlich bestehen Hinweise auf die Anwendung von Sicherheitsgesetzen gegen Kritiker sowie auf die Einschränkung journalistischer Tätigkeit. Innerhalb der Sicherheitskräfte werden strukturelle Defizite wie unzureichende Ausstattung, begrenzte Ausbildung und operative Einschränkungen beschrieben. Im Justizsystem zeigen sich Verzögerungen, Überlastung und verlängerte Untersuchungshaftzeiten.
Darüber hinaus wird auf Spannungen zwischen Sicherheitsmaßnahmen und individuellen Rechten verwiesen, die sich aus der Anwendung von Notstandsregelungen, militärischer Gerichtsbarkeit und erweiterten Überwachungsbefugnissen ergeben.
Die parallele Existenz formeller und informeller Rechtssysteme führt zudem zu unterschiedlichen Standards im Zugang zu Rechtsschutz. Ergänzend dazu bestehen Berichte über ethnische Spannungen im Kontext von Sicherheitsmaßnahmen sowie über Einschränkungen für humanitäre Organisationen und zivilgesellschaftliche Akteure.
Trotz massiven militärischen Drucks, erheblicher Verluste und eines deutlichen Rückgangs großangelegter Anschläge bleibt der “Islamischen Staates in Ostasien” (IS-EAP), ein relevantes, wenn auch fragmentiertes jihadistisches Netzwerk. Die Organisation bleibt weniger durch spektakuläre Gewaltakte als vielmehr durch kleinteilige Operationen, ideologische Kontinuität, mediale Präsenz und verdeckte Rekrutierung handlungsfähig.
Der IS-EAP gilt als geschwächt, aber keineswegs besiegt Die dezentrale Struktur aus lokalen Gruppierungen auf den südlichen Philippinen, die strategische Bedeutung von Führungsfiguren wie Abu Zacharia, die regionale Ausstrahlung über die Philippinen hinaus sowie die Rolle moderner Propagandaplattformen wie der East Asia Knights Media Agency zeigen seine Anpssungsfähigkeit.
Regierungsbildung:
Nachdem bei den im Februar 2024 abgehaltenen Wahlen Prabowo Subianto (Große Indonesische Bewegungspartei, Gerindra) mit 58,6 % der Stimmen zum Präsidenten gewählt worden war, wurde er am 20.10.2024 im Amt vereidigt. Kurz darauf stellte Prabowo sein neues Kabinett vor, mit 48 Ministern, darunter 5 Frauen, sowie 58 stellvertretenden Ministern ungewöhnlich groß. Prabowo ernannte hierbei Minister aus 7 der 8 im Parlament vertretenen Parteien. Lediglich die PDI-P, die größte Partei, war nicht berücksichtigt worden. 17 der Minister gehörten bereits dem vorherigen Kabinett von Präsident Joko Widodo an, darunter Finanzminister Sri Mulyani Indrawati und Innenminister Tito Karnavian. Außenminister wurde Sugiono, während Sjafrie Sjamsoeddin den Präsidenten als Verteidigungsminister ablöste. Die Wahl des Verteidigungsministers galt als kontrovers, da Sjafrie Sjamsoeddin, wie Prabowo Subianto selbst, Menschenrechtsverletzungen während der Suharto-Diktatur in den 1990er-Jahren angelastet werden.
Neue Hauptstadt
Im August tagte das (noch amtierende) Regierungskabinett erstmals in der noch im Bau befindlichen neuen Hauptstadt Nusantara. Wenige Tage später wurde Nusantara anlässlich des Nationalfeiertags als neue Hauptstadt eingeweiht. Es wurde erwartet, dass die Stadt in den Wäldern Borneos bei ihrer geplanten Fertigstellung im Jahr 2045 ca. 1,9 Mio. Einwohner zählen wird.
Wirtschafts- und Handelspolitik
In der Wirtschaftspolitik setzte Indonesien 2024 seinen protektionistischen Kurs der Vorjahre fort und versuchte, mit Import- und Exportbeschränkungen eine stärkere Weiterverarbeitung der inländisch geförderten Erze zu erzwingen. Das Wirtschaftswachstum blieb stabil bei etwa 5 %, insbesondere bedingt durch eine vorteilhafte Preisentwicklung bei Kohle, Nickel und Palmöl. Im Februar wurde mitgeteilt, dass Indonesien der Handelsorganisation BRICS als Vollmitglied beigetreten ist. Die BRICS-Länder arbeiten in Fragen der Entwicklung des globalen Südens zusammen und werden oft als Zusammenschluss von Staaten gesehen, die ein Gegengewicht zum Westen bilden wollen. Die Aufnahme Indonesiens in die BRICS wurde auf einem Gipfeltreffen in Johannesburg im Jahr 2023 beschlossen.
Sozial- und Gesundheitspolitik
Präsident Prabowo stellte im Februar einen neuen Staatsfonds vor, der in den kommenden Jahren sukzessive von 20 auf 900 Mrd. US$ aufgestockt werden soll. Die Mittel sollen aus Einsparungen in der öffentlichen Verwaltung stammen. Der Fonds soll u. a. kostenloses Mittagessen für alle Schulkinder und Schwangere sowie kostenlose Gesundheitsversorgung für arme Haushalte finanzieren. Die Mittel sollen auch für den Abbau von Bodenschätzen, Nahrungsmittelproduktion und die Entwicklung erneuerbarer Energien verwendet werden. Auch Investoren aus dem privaten Sektor können in den Fonds investieren. Sowohl die kostenlosen Schulspeisungen als auch jährliche kostenlose Gesundheitsuntersuchungen waren kurz zuvor gesetzlich verankert worden.
Im Juli 2024 hatte die scheidende Regierung zudem ein neues Gesundheitsgesetz verabschiedet, das Schwangerschaftsabbrüche im ersten Trimester unter bestimmten Bedingungen legalisierte. Frauen dürfen bis zur 14. Schwangerschaftswoche einen Abbruch vornehmen lassen, wenn die Schwangerschaft durch Vergewaltigung entstanden ist oder eine medizinische Notlage vorliegt. Die Gesetzesänderung war Teil umfassender Reformen im Gesundheitswesen, die darauf abzielten, die hohe Müttersterblichkeitsrate in Indonesien zu senken. Mit 189 Todesfällen pro 100 000 Lebendgeburten gehört Indonesien zu den Ländern mit der höchsten Müttersterblichkeit in Südostasien.
Wachsender Einfluss des Militärs
Das Parlament verabschiedete im März ein Gesetz, das die Möglichkeiten für aktive Militärangehörige, politische Ämter zu bekleiden, erweiterte. Aktive Militärangehörige können fortan in 14 Ministerien und Behörden tätig werden. In der Praxis bedeutet dies mehr Einfluss für Militärangehörige in Bereichen wie Terrorismusbekämpfung, Sicherheit auf See, Cybersicherheit und Krisenmanagement. Das Gesetz war höchst umstritten, da die Streitkräfte während der Suharto-Diktatur (1966–98) eine Doppelrolle sowohl in den Verteidigungskräften als auch in der Zivilverwaltung innehatten. Nach dem Sturz Suhartos 1998 war die Abschaffung der zivilen Rolle des Militärs ein entscheidender Schritt zur Demokratisierung. In rund 70 Städten, darunter Jakarta und Surabaya, kam es zu teils gewalttätigen Massenprotesten gegen die Gesetzesänderung. Das Militär war u. a. an der polizeilichen Überwachung der Proteste beteiligt.
Wahlgesetze
Das Oberste Gericht kippte im September eine bestehende Regelung, nach der Parteien in ihrer jeweiligen Regionalversammlung mindestens 20 % der Stimmen an sich binden müssen, um einen Kandidaten aufstellen zu können. Dieses Urteil, das kleinere Parteien stärken sollte, wurde im Parlament wieder rückgängig gemacht. Die Öffentlichkeit reagierte hierauf mit Massenprotesten.
Drohungen gegen regierungskritische Medien
Das Nachrichtenmagazin Tempo, das die politische Agenda von Präsident Prabowo Subianto kritisiert, erhielt im März eine Kiste mit enthaupteten Ratten und am Folgetag einen Schweinekopf ohne Ohren. Ein Regierungssprecher spielte den Vorfall herunter und schlug vor, dass die Redaktion den Schweinekopf kochen solle. Später revidierte er seine Kommentare und äußerte, dass die Regierung Bedrohungen gegen die Pressefreiheit ernst nehme. Tempo wurde während der Suharto-Ära zeitweise verboten, als Prabowo Subianto einer der engsten Generäle des Diktators war. Er war früher mit Suhartos Tochter verheiratet und wird beschuldigt, während prodemokratischer Demonstrationen, die das Regime 1998 zu Fall brachten, eine Reihe von Verschleppungen angeordnet zu haben.
Separatistische Bewegungen
Im April wurden in Papua innerhalb weniger Tage mehr als ein Dutzend Bergleute von mutmaßlichen Separatisten getötet. Nach Angaben von Widerstandskämpfern handelte es sich bei den mindestens 17 Opfern um Regierungssoldaten in Zivilkleidung. Nach Angaben einer Sondereinheit der Polizei weisen die Opfer deutliche Spuren von Schlägen und Folter auf.
Urteil gegen Ex-Agrarminister Limpo
Der frühere indonesische Landwirtschaftsminister Syahrul Yasin Limpo wurde im Juli 2024 vom Antikorruptionsgericht in Jakarta zu 10 Jahren Haft verurteilt. Das Gericht befand ihn der Erpressung, Machtmissbrauchs und Bestechung im Zusammenhang mit Ministeriumsverträgen mit privaten Anbietern für schuldig. Laut Gerichtsurteil missbrauchte Limpo seine Position, um sich selbst und andere Beamte zu bereichern. Er habe zwischen 2020 und 2023 insgesamt 2,7 Mio. US$ veruntreut. Der Skandal führte zu öffentlichen Protesten und politischen Forderungen nach umfassender Aufklärung. Das indonesische Antikorruptionsgesetz sieht für schwere Korruption eine lebenslange Haftstrafe vor.
Korruptionsskandal um staatlichen Energieversorger
Im Februar 2025 wurde Indonesiens staatlicher Energieversorger Pertamina in einen massiven Korruptionsskandal verwickelt, der das Land erschütterte. Die Generalstaatsanwaltschaft beschuldigte 7 Personen, darunter hochrangige Führungskräfte des Unternehmens und seiner Tochtergesellschaften, der Veruntreuung von Geldern in Höhe von rund 11,9 Mrd. US$ im Zeitraum von 2018 bis 2023.
Archäologische Entdeckung
Anfang Juli 2024 wurde bekannt, dass Wissenschaftler in einer Höhle auf der indonesischen Insel Sulawesi das bislang älteste bekannte Kunstwerk der Welt entdeckt haben. Das Gemälde, das mindestens 51 200 Jahre alt ist, zeigt drei menschenähnliche Figuren sowie ein großes rotes Wildschwein. Es wurde in der Leang-Karampuang-Höhle in der Region Maros-Pangkep gefunden.
Der Wirkungsfaktor zeigt für die bessere Vergelichbarkeit von Anschlägen, dessen Wirkungsgrad. Die Berechnung erfolgt anhand der Anzahl an Toten, Verletzten sowie die Schwere des Vorfalls.
In die Berechnung fließen vier zentrale Faktoren ein:
Jeder dieser Faktoren wird unterschiedlich gewichtet. Die höchste Gewichtung erhalten Todesfälle, da sie die schwerwiegendsten Auswirkungen widerspiegeln. Anschläge, Verletzte und Geiselnahmen werden ebenfalls berücksichtigt, jedoch mit geringerer Gewichtung.
Der resultierende Wirkungsfaktor ermöglicht es, Vorfälle miteinander zu vergleichen.